ExtraKAPITEL

WICHTIG: DIESES KAPITEL IST NICHT IN MEINEM BUCH IN GEDANKEN EIN STEINADLER ZU FINDEN.

ES IST EIN OUTTAKE, GENAUER GESAGT EIN PROLOG, DER DOCH NICHT IN MEIN BUCH GEPASST HAT.

 

ACHTUNG SPOILERGEFAHR

 

Mir lief der Schweiß an den Schläfen herunter. Mit meinem nackten Arm, der genauso feucht war wie mein Gesicht, versuchte ich die salzigen Tropfen wegzuwischen. Die Sonne schien gnadenlos und brachte den roten Sand zum Leuchten. Nur noch ein Pfosten musste ausgetauscht werden und dann war ich mit der Reparatur des Zauns fertig. Ich trat gegen das veraltete Holz. Einmal, zweimal, dreimal und dann war er so locker, dass ich ihn mit meinen Armen umschloss und kräftig zog. Meine Muskeln spannten sich an, so viel Kraft musste ich aufwenden. Die Hitze stieg mir bis in den Kopf und als ich endlich den Pfosten aus der Erde befreit hatte, musste ich kurz innehalten, weil mir schwindlig war. Es war nicht die richtige Tageszeit, um hier im Outback Australiens zu arbeiten. Aber wenn ich verhindern wollte, dass die Rinder wegliefen, musste ich das fertig machen.

Ein riesiger Rotluchs kam auf mich zugelaufen, mit einem kleinen Stoffbeutel im Maul. Das musste merkwürdig aussehen für einen Zuschauer, der nichts über Gestaltwandler wusste. Aber hier gab es keine Zuschauer, hier waren nur wir. Eine Familie bestehend aus Gestaltwandlern.

»Mum hat mich gebeten dir etwas zu trinken zu bringen«, warf mir meine Schwester die Tasche zu.

»Danke.« Ich machte sie auf, holte die Flasche Wasser raus und hielt sie mir an die Lippen.

»Du bist ja immer noch nicht fertig mit dem Zaun«, meckerte sie. Ich lächelte meine Zwillingsschwester an. »Wenn du mir helfen würdest, wäre ich schneller.«

»Unsere Eltern haben die Aufgaben gerecht verteilt.«

Ich nahm meinen Hut ab und fächelte mir etwas Wind zu, bei der trockenen Hitze brachte das meinem Körper jedoch keine Abkühlung. »Ach ja, findest du? Du darfst drinnen lernen, während ich hier in der Sonne dahinfließe.«

Sie schaute gleichgültig. »Ich habe es mir nicht ausgesucht zu dumm zu sein, um den Schulstoff zu verstehen. Ich würde lieber ein bisschen mehr so sein wie du. Dir fällt immer alles so leicht.«

»Wenn du deine Hausaufgaben öfter machen würdest, dann hättest du auch nicht so ein großes Defizit.« Ich setzte die Flasche erneut an, um wenigstens meiner trockenen Kehle etwas Linderung, aber ich hatte nicht mit der Wut von Mable gerechnet. Sie riss mir die Flasche aus der Hand und anstatt in meinem Magen, landete das Wasser überall auf meinem T-Shirt.

»Hey, das wollte ich noch trinken.«

Sie lachte. »Gemeine Brüder haben es nicht verdient eine Pause zu machen.« Sie nahm die Tasche und räumte die Flasche wieder weg.

»Mach das lieber schnell fertig. Es gibt in zwanzig Minuten Essen und du weißt, wie sehr Mum es hasst, wenn man zu spät kommt und seine Aufgaben noch nicht erledigt hat.« Ich winkte ab. »Kümmere du dich lieber um deine eigenen Angelegenheiten. Noch eine Drei in der Mathearbeit und du wirst für immer Stubenarrest haben.«

Sie wirkte nachdenklich.

»Kannst du mir später vielleicht helfen? Ich verstehe den Mist mit der Integralrechnung nicht.« Ich zuckte mit den Schultern. »Wenn ich deinen Nachtisch dafür bekomme.«

Jetzt war sie entsetzt. »Was? Nein, es gibt Vanillepudding mit Erdbeeren, das liebe ich.« Wieder zuckte ich mit den Schultern. »Deine Entscheidung.«

»Du bekommst die Hälfte«, kam sie zur Vernunft. Ich hielt ihr meine Hand hin und sie schüttelte sie. »Einverstanden.«

»Iihh, du bist ganz verschwitzt«, entriss sie mir ihre Hand wieder. »Vor dem Essen solltest du unbedingt noch duschen gehen.« Im Augenwinkel nahm ich ein Auto wahr, das die Einfahrt zum Haus entlang fuhr. Ein schwarzer Mercedes, den ich hier noch nie gesehen hatte.

»Wer ist das?«, fragte ich. Sie drehte sich um und verfolgte das Auto wie ich mit ihrem Blick. »Vielleicht Kenny, der sich schon wieder den Hänger leihen will.«

»Der fährt aber einen Chevrolet.« Ich wusste nicht warum, aber ich war besorgt. Wir kannten hier unsere Nachbarn, und normalerweise verlief sich niemand in diese Gegend, fernab von der Zivilisation. Wir lebten so weit weg von Menschen, um ein ungestörtes Leben als Gestaltwandler führen zu können.

»Ich werde mal zurückgehen und herausfinden, wer der Fremde ist. Mum braucht noch Hilfe beim Decken.« Sie wollte schon zum Haus gehen, doch dann sah ich die Leute aussteigen. Es waren fünf Männer, alle schwer bewaffnet.

»Warte.« Ich zog sie heftig zurück und suchte mit ihr Schutz hinter einem nahestehenden Baum.

»Was?« Sie hatte sie noch nicht gesehen. Ich nickte zu den Männern. »Jäger«, flüsterte ich. Sie riss die Augen auf und sah das, was ich zuvor gesehen hatte.

»Mum!«, brachte sie nur über die Lippen. »Du kennst die Anweisungen.« Die Männer liefen in das Haus. Die Tür war nicht abgeschlossen. Es war schon fast zu leicht für sie.

»Wir müssen fliehen, so wie wir es durchgesprochen haben«, zischte ich.

»Wir müssen ihr helfen«, wollte Mable nicht hören. »Wir dürfen sie nicht zurücklassen. Es ist Mum, sie darf nicht sterben«, flehte sie.

»Wenn wir da reingehen, werden auch wir tot sein und das will sie sicher nicht.« Plötzlich hörte ich einen Schrei. Es war die Stimme meiner Mutter. Kurz war ich zu sehr abgelenkt, um auf Mable zu achten. Sie riss sich los und stürmte in Form ihres Luchses davon. Ich konnte nicht anders, als ihr zu folgen. Ich musste sie aufhalten. Sie durfte die Jäger nicht erreichen. Schneller als ich denken konnte, veränderte ich meine Form. Zwei Luchse rannten über die trockene Ebene einer Farm mitten in Australien.

 

***

 

»Es sind schon wieder drei tot.« Nate und ich waren in einem Hotelzimmer in Schweden und skypten. Emma durfte nichts von dieser Unterhaltung mitbekommen, deswegen hatten wir uns sogar ein Zimmer genommen. Der Gesprächspartner war mein Vater, der schon zum dritten Mal diese Woche ein- und denselben Satz wiederholte. Meine Eltern waren gerade in Kanada auf dem Weg einen befreundeten Gestaltwandler zu besuchen.  

»Seine Frau und beide Kinder. Er hat das Blut gesehen und eine Nachricht der Jäger gefunden, in der stand, dass er der nächste ist. Erst der Bruder seiner Frau und jetzt die drei.« Eigentlich war mein Vater immer ein Optimist gewesen, aber in letzter Zeit hatte er kaum einen Grund gehabt optimistisch zu sein. Er wirkte ganz ausgelaugt und auf seiner Stirn hatten sich tiefe Furchen gebildet. Im Gegensatz zum letzten Mal, als ich ihn gesehen hatte, waren seine schwarzen Haare nun fast vollständig ergraut.

»Sie haben im Outback in Australien gelebt, fernab von jeder größeren Stadt und nach seinen Angaben waren sie immer sehr vorsichtig gewesen.« Er schwieg und war sichtlich bemüht seine Fassung zu bewahren.

»Sie löschen ganze Familien aus.«

»Wir müssen was tun«, sagte Nate.

»Wenn nicht jetzt, dann nie«, gab mein Vater ihm Recht.

»Wie ist die Stimmung bei den anderen?«, versuchte ich mir ein Bild von der Situation zu machen. »Würden sie einem Kampf gegen die Jäger zustimmen?«

Er seufzte. »Einige sind so entschlossen endlich etwas zu verändern. Sie halten mit mir Kontakt und stellen mir sogar weitere Gestaltwandler vor, die der gleichen Meinung sind. Trotzdem glaube ich nicht, dass das reichen wird. Viele müssen noch überzeugt werden und um etwas auszurichten, brauchen wir so viele kampfbereite Gestaltwandler wie möglich. Deine Mutter und ich sind zu dem Schluss gekommen, dass nur ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht ihnen aufzeigen wird, dass es für die Gestaltwandler keine Zukunft geben wird, wenn wir nichts unternehmen.« Ich versuchte die aufsteigende Sorge um meine Eltern zu unterdrücken. Sie waren schon immer tief in die Rettung der Gestaltwandler verwickelt gewesen. Sei es als Ausbilder, Seelsorger oder Beschützer vor den Jägern.

»Was können wir tun?«, fragte Nate. »Ich werde euch ein paar Nummern von Gruppenführern geben. Sie gilt es zum Mitmachen zu bewegen.« Wir hörten die Stimme meiner Mutter im Hintergrund und dann tauchte sie plötzlich im Bild neben meinem Vater auf.

»Hi, Liam«, begrüßte sie mich. »Schön dich auch mal wiederzusehen, Nate, und wenn es nur über den Computer ist.«

»Dem kann ich mich nur anschließen. Es ist schon eine Weile her, seitdem ich euch besucht habe.«

»Tja, da du nicht mein Sohn bist, verzeihe ich dir, mit dir, Liam, werde ich aber noch ein Hühnchen rupfen«, sagte sie streng.

»Es tut mir leid, aber du weißt, dass ich viel um die Ohren habe.« Ihre Gesichtszüge wurden wieder weicher. Sie strich sich ihre blonden Haare aus dem Gesicht.

»Ich weiß. Wie geht es denn Emma? Ich würde sie so gerne mal kennenlernen.«

»Sie braucht noch Zeit.« Kurz schwiegen wir alle. Dann gab mein Vater uns die Kontakte, die wir brauchten und schließlich beendeten wir das Gespräch, nachdem wir uns ausgiebig verabschiedet hatten.

 

 

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